Vorhaben umsetzen
Du leidest an deiner Prokrastination? Erfahre in dieser zweiteiligen Artikelserie, wie du deine Aufschieberitis überwindest und dein Vorhaben umsetzt.

Vorhaben umsetzen: 8 Gründe für deine Aufschieberitis – und wie du sie überwindest
Teil 1

Warum du nicht losgehst – Die tieferen Ursachen deiner Aufschieberitis

„Ich habe heute absolut nichts erledigt – aber ich war den ganzen Tag unglaublich beschäftigt damit.“ — Quelle unbekannt

Kennst du dieses Ziehen im Bauch?

Dieses schale Gefühl des schlechten Gewissens, weil du genau weisst: Da wartet etwas Wichtiges auf dich – etwas, das du seit Tagen, Wochen oder Monaten vor dir herschiebst.

Vielleicht ist es eine Idee. Ein Vorhaben. Eine grosse Vision. Oder nur ein nächster, entscheidender Schritt.

Dein Vorhaben taucht immer wieder in deinem Kopf auf – und trotzdem kommst du nicht in die Umsetzung.

Damit bist du nicht allein. Aufschieberitis – fachlich auch Prokrastination genannt – ist ein bekanntes Problem.

Diese zweiteilige Artikelserie ist eine praktische Lösungshilfe, um deinen inneren Schweinehund zu überwinden und dein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die Artikel helfen dir zu erkennen, welche unsichtbare Hürde dich gerade von deinem Ziel trennt – und wie du dieses Hindernis Schritt für Schritt auflösen kannst, um wieder in eine gesunde Selbststeuerung und ins Handeln zu kommen.

Grund Nr. 1: Zweifel und fehlende Entschlossenheit

Ein häufiger Grund fürs Aufschieben ist überraschend simpel:

Dein Gehirn weiss nicht genau, was du von ihm willst. Kein klares Ziel → keine klare Route.

Du hast einen vage Vision, aber keine eindeutige Absicht. Mal Ja, mal Nein – und dann doch wieder Ja. Euphorie und Zuversicht wechseln sich ab mit Zweifel und Selbstkritik.

Lösungsansatz: Zielklarheit und Risikoanalyse

Angemessene Zweifel sind nichts Schlechtes. Im Gegenteil:

Wenn du mit deinem Vorhaben unbekanntes Terrain betrittst, ist es sinnvoll, dass vorsichtige innere Stimmen dich auf mögliche Risiken hinweisen. Entscheidend ist, wie du mit ihnen umgehst.

Finde einen konstruktiven Umgang mit kritischen und zweifelnden Gedanken:

  1. Formuliere dein Ziel klar und eindeutig: Was willst du wirklich erreichen?
  2. Gib den zweifelnden Stimmen bewusst Raum. Hör hin: Welche Einwände haben sie?
  3. Welche davon sind berechtigt – und welche halten dich unnötig zurück?

Dann: Mach eine ehrliche Risikoanalyse:

  1. Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?
  2. Und wie würdest du damit umgehen, falls es eintritt?
  3. Finde Gegenbeweise für unbegründete Sorgen.

Schreib alles auf – so konkret und ausführlich, bis die inneren Kritiker leiser werden.

Und dann: triff eine bewusste Entscheidung und setze sofort einen kleinen ersten Schritt.

Grund Nr. 2: Innerer Konflikt

Bestimmt kennst du dieses Phänomen: 

Du nimmst dir am Vorabend etwas fest vor – und lässt es tags darauf wieder fallen. Es gibt unterschiedliche Dinge in dir. Und sie wollen unterschiedliche Dinge.

In dir wirken verschiedene Anteile und Bedürfnisse gleichzeitig:

Sicherheit und Wachstum.

Anerkennung und Selbstbestimmung.

Leistung und Genuss.

Das Leben ist vielschichtig. Kein Wunder, dass es manchmal innerlich in verschiedene Richtungen zieht – und Umsetzung blockiert wird.

Lösungsansatz: Innere Anliegen integrieren statt bekämpfen

Der Schlüssel liegt darin, alle inneren Anteile ernst zu nehmen. So unterschiedlich ihre Anliegen auch sind: Sie wollen alle das Beste für dich.

Bei mir persönlich stehen sich oft diese beiden Anteile gegenüber:

der Antreiber – er will vorwärtskommen, umsetzen, sich weiterentwickeln

der Geniesser – er will Spass haben, entspannen, mit Leichtigkeit leben

Beide wollen, dass ich glücklich bin.

Deshalb versuche ich im Alltag, ihre Anliegen bewusst zu verbinden:

Ich arbeite diszipliniert an meinen Zielen (befriedigt den Antreiber) –

aber in einer Art und Weise, die mir Freude macht: mit Kerzen, guter Musik, an ein schöner Ort, mit inspirierende Themen, mit einer Belohnung nach getaner Arbeit (befriedigt den Geniesser).

Und ja, nicht immer lassen sich alle Anliegen und Bedürfnisse vereinen. Es gibt auch Phasen, in denen nur der Geniesser an der Reihe ist – während der Antreiber auf der „Ersatzbank“ sitzt.

Stell dir deine inneren Anteile wie ein Team vor:

  • Welche „Spieler“ gibt es in dir – und für welche Bedürfnisse stehen sie?
  • Was will jeder Einzelne Gutes für dich?
  • Wie kannst du allen Bedürfnissen genügend Raum geben?

Nicht immer müssen alle Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen. Aber alle sollten ihre Spielzeit erhalten.

Indem du ihre Anliegen ernst nimmst, sorgst du dafür, dass sie miteinander spielen – nicht gegeneinander.

Grund Nr. 3: Dein Unterbewusstsein spielt nicht mit

Fühlt sich manchmal alles zäh, träge und blockiert an – obwohl du genau weisst, was du tun willst?

Das kann daran liegen, dass dein Unterbewusstsein auf der Bremse steht – und das oft aus gutem Grund.

Weshalb sollte dich dein Unterbewusstsein vor etwas abhalten, was du eigentlich willst? Meist gibt es zwei Ursachen:

  1. Die alte Situation ist noch zu bequem
  2. Die neue Situation wirkt unattraktiv oder bedrohlich

In beiden Fällen hat dein Unterbewusstsein kein Interesse daran, die angezogene Bremse zu lösen.

Lösungsansatz: Widerstand verstehen statt übergehen

Erkenne an: Dein innerer Widerstand ist nicht dein Feind. Er will dich schützen.

Mit folgenden Fragen kannst du herausfinden, weshalb sich dein Unterbewusstsein in die Quere stellt:

  • Wovor genau will dich mein Unterbewusstsein bewahren?
  • Was würde sich verändern, wenn du dein Vorhaben umsetzt?
  • Was müsstest du loslassen, wenn du es tun würdest?
  • Welche Befürchtungen stecken dahinter?
  • Wie kannst du berechtigte Einwände ernst nehmen und beantworten?

Falls du zum Schluss kommst, dass du dein Vorhaben tatsächlich angehen willst, stell dir zusätzlich diese zwei Fragen:

  1. Was verlierst du langfristig, wenn du nichts änderst?

Diese Frage macht die Ist-Situation unbequem für dich. Schmerz = Motivation, etwas zu verändern.

  1. Was gewinnst du langfristig, wenn du dein Vorhaben umsetzt?

Diese Frage macht die Zukunft attraktiv für dich. Lust = Ebenfalls Motivation, etwas zu verändern.

Male beides möglichst bildhaft aus. Wenn du darauf gute Antworten findest, holst du dein Unterbewusstsein mit ins Boot.

Grund Nr. 4: Kein starkes WARUM

Weshalb solltest du …

  • deine Ängste überwinden, wenn es deinem Vorhaben an Bedeutung fehlt?
  • täglich joggen gehen, wenn du keinen Sinn darin siehst?
  • das flauschige Bett verlassen, wenn du keinen guten Grund dafür hast?

Ohne gute Gründe, etwas zu verändern, wirst du über kurz oder lang immer wieder in deine Komfortzone zurückkehren.

Ein starkes WARUM entfesselt die notwendige Zugkraft, um die Bequemlichkeit und Sicherheit des Bekannten zu verlassen.

Lösungsansatz: Finde den tieferen Sinn

Frage dich:

  • Weshalb ist es dir wirklich wichtig, dein Vorhaben anzugehen?
  • Was hast du davon, wenn du dein Ziel erreichst (kurzfristig / langfristig)?
  • Welches Problem löst du damit?
  • Wem dienst du damit ausser dir selbst?

Frag immer tiefer nach – bis du einen Sinn findest, der genug Zugkraft entwickelt für jede Hürde auf deinem Weg zum Ziel.

Zum Weiterlesen: In Teil 2 erfährst du, wie du ganz praktisch in die Umsetzung kommst und den Weg so gestaltest, dass du wirklich dranbleibst.

Hilf auch den Couch Potatos in deinem Umfeld, ihre Vorhaben umzusetzen anstatt nur darüber zu sprechen und Teile diesen Artikel mit deinen Liebsten.

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